Schiestlhaus
Schiestlhaus am Hochschwab
8636 Seewiesen
Studienprojekt: Marie Rezac
Architektengruppe solar4alpin:
DI Dr. Karin Stieldorf
DI Arch. Fritz Oettl
Arch. Dr. Martin Treberspurg
Energieautarker alpiner Stützpunkt in Passivhausbauweise
Das Schiestlhaus des österreichischen Touristenclubs (ÖTK) liegt auf 2154 m am Gipfelplateau des Hochschwab. Geplant wird ein Demonstrationsprojekt für solares und ökologisches Bauen in alpinen Insellagen, bei dem nachhaltige Technologien und ein intelligentes Raumkonzept unter extremen Bedingungen getestet werden können.
Das Schiestlhaus ist die erste Schutzhütte in Passivhausbauweise in Österreich und im gesamten Alpenraum. Die hier erprobten Lösungen können in der Folge mit geringen Modifikationen im gesamten Bereich gemäßigter alpiner Lagen angewendet werden.
Der Entwurf erfolgt nach den Grundsätzen des solaren Bauens. Das in dieser Höhe besonders günstige Strahlungsangebot der Sonne soll aktiv genutzt werden.
Schutzhütten stellen in Bezug auf die Gebäudenutzung eine Sonderform dar, da die Anzahl der Nutzer, abhängig von Jahreszeit, Wochentag, Saison und Wetter stark schwankt. Daher wurde ein flexibles Gebäudekonzept entwickelt und das Haus in verschiedene Klima-Zonen unterteilt. An die schnell und einfach beheizbare Kernzone (Küche, Gaststube, Personalräume) sind je nach Gästeaufkommen weitere Raumzonen anschaltbar.
Für die tragende Konstruktion der Hauptgeschosse wurde der Baustoff Holz gewählt, da er den extremen Anforderungen (Belastungen aus Wind- und Schneelasten, keine Baustellenzufahrt) optimal gerecht wird. Maßgenauigkeit, hoher Vorfertigungsgrad für kürzest mögliche Bauzeit und Passivhausqualität sind mit Holzbausystemen gut erreichbar.
Die extreme Lage und die Konzeption der Schutzhütte erfordern ein übergreifendes Gesamtkonzept für die Energieversorgung und die Haustechnik. Aufgrund der eingesetzten Passivhaustechnologien, der thermischen Nutzungszonen und dem Einsatz von kontrollierter Be- und Entlüftung (Lüftungsgeräte mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung) kann die Raumheizung des Hauses bei Vollbelegung thermisch autark betrieben werden. Die Südfassade wird als Energie-Fassade ausgebildet mit 46 m² fassadenintegrierter Solarthermie und 6 m² transluzenter Photovoltaik. Eine 7,5 kWp-Photovoltaikanlage an der Terrrassenbrüstung mit 68 m2 soll bei durchschnittlicher Sonnenscheindauer mehr als 60 % des jährlichen elektrischen Energiebedarfs decken. Den Rest liefert ein rapsölbetriebenes Blockheizkraftwerk, das auch als Backup-System für Notfälle vorgesehen ist.
Da keine Wasserquellen zur Verfügung stehen, wird der Jahresbedarf an Brauch- und Trinkwasser aus Niederschlägen in einer 34 m³ Zisterne gesammelt. Das Regenwasser wird über eine Filterkaskade und UV-Entkeimung zu Trinkwasser aufbereitet. Alle Abwässer werden über eine mehrstufige, vollbiologische Abwasserreinigungsanlage mit UV-Entkeimung aufbereitet. Die festen Reststoffe werden mit den turnusmäßigen Versorgungsflügen ins Tal entsorgt.
Der hohe Stellenwert des Alpinismus verspricht gute Voraussetzung für die Vermittlung dieser neuen Technologien.